Claudia und Bernd Bödecker feiern mit Bekannten ausgelassen ihren zehnten Hochzeitstag. Mit dabei ist Andreas Mücke, Bernds bester Freund. Alles passt an diesem Juniabend in Bad Münstereifel zusammen, wäre da nicht der angetrunkene Schriftsteller Philipp Scharner aus Rheinbach. Nachdem er diverse Frauen angebaggert hat, wirft der Gastgeber ihn schließlich raus. In der gleichen Nacht wird Bödecker brutal zu Boden geschlagen. Der tatverdächtige Autor bittet ausgerechnet Privatdetektiv Mücke um Hilfe. Vieles spricht gegen den Schriftsteller – nur das Motiv überzeugt den Privatermittler nicht. Er nimmt den Auftrag an und stößt auf weitere Spuren. Doch auch mit Scharner stimmt etwas nicht …

Elke Seifried (TOP 500 Rezensent) schreibt bei Amazon:

Der zweite Fall für den sympathischen Privatermittler Mücke

Mückes Freund, der Autohändler Bernd und seine Frau haben für ihren zehnten Hochzeitstag die Party schlechthin auf die Beine gestellt. Die Feier könnte so gelungen sein, gäbe es da nicht den pöbelnden Autokäufer, der seinen Frust über den Gartenzaun kundtut und den angeschickerten Bestsellerautor, der alle anwesenden Frauen angräbt und deshalb vor die Tür gesetzt werden muss. Wären die beiden vielleicht ein paar Tage später schon wieder vergessen, weil das Fest zu später Stunde ausgelassen endet, wird Gastgeber Bernd in derselben Nacht noch hinterrücks niedergeschlagen, mit schwerwiegenden Folgen. Der Hauptverdacht liegt ganz klar auf dem Bestsellerautor, schließlich hatten die beiden vor dem Rauswurf einen ausgewachsenen Streit. Aber Mücke hat seine Zweifel und nimmt daher dessen Auftrag nach dem wahren Täter zu suchen an, trotz Gewissensbissen seinem verstorbenen Freund und dessen Familie gegenüber.

Jürgen Schmidt geizt nicht mit Verdächtigen. Mehr als genug Finten und Zusammenhänge, machen das Lesen zum Rätselspaß. Da Täterperspektiven inklusive sind, kann man als Leser mit aufmerksamem Lesen und Kombinieren das Rätsel schon vor ihm lösen, was aber der Spannung nicht wirklich Abbruch tut. Zahlreiche, teils auch etwas abrupte Szenenwechsel verleihen der Geschichte unheimlich viel Fahrt und die angenehm kurzen Kapitel tragen ihr Übriges dazu bei, dass die Seiten nur so dahinfliegen.

Mücke lebt nicht nur für seine Arbeit, daher bekommt man als Leser auch einen kleinen Einblick in sein Privatleben, was mir gut gefällt. Ich hatte auch den Eindruck, dass Jürgen Schmidt mit seinem Bestsellerautor kombiniert mit einer feinen Prise an Ironie auch Kritik am Büchermarkt geübt hat, worüber ich schmunzeln konnte, weil ich denke, dass es leider oft so läuft.

Der knappe, lockere Sprachstil liest sich flüssig, zumindest, wenn man sich ein wenig eingelesen hat. Da Szenenwechsel stellenweise etwas abrupt sind, hier und da wäre mir ein Satz mehr auch ganz recht gewesen, musste ich schon durchaus konzentriert lesen. „Drüberfliegen“ ist hier eher nicht, aber so muss ein Buch ja auch nicht sein. Gut gefallen mir die bilderreichen Beschreibungen wie, „Der mächtige Oberkörper wurde von extrem dürren Beinchen getragen. Seine kurze Hose macht diese unverhältnismäßige Verteilung deutlich sichtbar, ließ sie lächerlich aussehen.“ oder „Mann mit einem wahren Gestrüpp von Bart.“, da hatte ich die Personen stets ganz genau vor Augen. Da Mücke als Mann durchaus auch Gefühle zulässt, fängt der Autor auch Stimmungen und Atmosphären gut ein. Ebenfalls gelungen finde ich die feine Prise Humor, die mich immer wieder auch schmunzeln hat lassen. So kann es schon mal heißen, „Die Landung aus knapp zwei Metern sah zwar gelungen aus, ganz schmerzfrei war sie jedoch nicht. Seine Knochen spürte er deutlich, auch er wurde nicht jünger.“ Lobend erwähnen möchte ich auch das Lokalkolorit. Dass der Krimi in der beschaulichen Umgebung des Städtchens Bad Münstereifel spielt, ist jederzeit zu erkennen und das Event „Burg in Flammen“ ist sicher einen Ausflug wert.

Mücke ist ein Privatermittler, der sich an die legalen Wege hält, was mir gut gefällt. Manchmal ist er vielleicht ein bisschen schusselig, so kann schon sein, dass er sich wundert, warum die Kühltasche für die Radtour so leicht ist, um dann später zu entdecken, dass er die Getränke vergessen hat. Aber das, die Tatsache, dass ihm die Gefühle der anderen nicht unwichtig sind, und die Tatsache, dass er sich nach seinen zwei Scheidungen super um seine Kinder kümmert, machen ihn menschlich und liebenswürdig. Auch wenn er für die pubertierende Anna im Moment mehr Geldbeutel-auf- und Fahrdienst-Anlaufstelle zu sein scheint, steht mit Julian nicht nur vor der Kiste abladen, sondern Freibad oder Insektenhotel bauen auf dem Plan. Mücke ist die Hauptperson, aber auch die Nebendarsteller sind gelungen gezeichnet, bei Sohnemann Julian, der mich nicht nur mit seiner Logik „Als Junge ist es besser, zu heiraten, wegen dem Putzen.“ amüsiert hat, über den gewaltbereiten Unbekannten, der einem Rätsel aufgibt, bis hin zu den kriminellen Stiweck-Brüdern, die scheinbar ihre Finger überall haben.

Wird Mücke den Tipp seines Sohnes mit dem Heiraten beherzigen? Ich bin schon jetzt gespannt auf den nächsten Fall für ihn aus der Feder von Jürgen Schmidt. Noch fünf Sterne für „Zwentibolds Rache“.