Lesetipp

 

„Brauch Blau“ heißt der überaus gelungene Debütroman von Julia Malik. Logischerweise kannte ich sie vorher als Autorin nicht, als Schauspielerin ebenfalls nicht. Zunächst habe ich mich auch schwer getan, in die Story der vermutlich rauschgiftsüchtigen Mutter hineinzukommen. Letztendlich hat es sich aber voll ausgezahlt, abzuwarten, um irgendwann verwundert festzustellen, dass einen die wie in Trance geschriebene Geschichte doch mehr und mehr gefangen nimmt, und die scheinbare Gleichgültigkeit der Anfangsseiten längst verflogen ist. War sie tatsächlich da?

 

Auch als Mann konnte ich mich sehr gut mit „Schnulli“ oder „Schnullita“ identifizieren, sodass es mir fast vorkam, mit dieser Person und ihrem Leben eins zu werden, ja, mit ihr zu leiden und zu fiebern. So makaber oder schwülstig das klingen mag – aber das ist mir jetzt egal! Geschichte und Handlung hätte ich wahrscheinlich, unveröffentlicht (!), mit vier Sternen versehen (leider muss heutzutage alles mit Sternen beurteilt werden, was ich als anmaßend empfinde und es in der Regel gleich sein lasse), wäre da nicht die tolle, bildhafte Sprache der talentierten Autorin. Geschickte, originelle, teilweise auch humorvolle Formulierungen ziehen sich durch das gesamte Buch, sorgen für einen einmaligen Lesegenuss und auch dafür, dass beim Leser immer wieder auftretende deprimierende Stimmungen auf sympathische Art spielend aufgefangen werden.

 

Der Frankfurter Verlagsanstalt danke ich für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.